Gotthard: 11km Stau
Der Klimawandel ist angeblich menschengemacht, die Staus vor dem Gotthard sind es ganz sicher
Freitag, 2. Januar 2026.
14.00 Uhr, kurz nach Mendrisio. Auf der Anzeige steht lapidar: «Gotthard: 11 km Stau». Mehr nicht. Keine Zeitangabe. Keine Erklärung. Kein Hinweis auf Alternativen. Kein Wort zu Dosierung, Sperren oder dem, was einen tatsächlich erwartet.
Nur diese nüchterne Zahl. 11 Kilometer.
Was folgt, ist kein Verkehrsereignis. Es ist eine Erfahrung. Eine Lektion. Eine Form staatlicher Pädagogik.
Stau als System, nicht als Ausnahme
11 Kilometer Stau bedeuten nicht einfach «viel Verkehr». Sie bedeuten Stillstand. Über Stunden. Und zwar nicht irgendwo, sondern kontrolliert, portioniert und künstlich erzeugt.
Bereits vor Faido wird der Verkehr vollständig angehalten. Rote Ampel. 15 Minuten Stillstand. Motoren laufen. Dann ein paar hundert Meter vor. Dann wieder Stillstand. Und wieder. Und wieder.
Das ist keine Reaktion auf ein Problem, das ist das Problem.
Denn das eigentlich Absurde kommt später.
Die Landstrasse als Sackgasse
Wer angesichts des Stillstands auf der Autobahn glaubt, wenigstens noch eine Wahl zu haben, wird eines Besseren belehrt.
Die Landstrasse von Faido bis Airolo ist offen. Also weicht man aus. Man fährt durch die Dörfer, im Glauben, wenigstens irgendwo voranzukommen. Doch auch hier wartet keine Lösung, sondern die nächste Absperrung.
In Airolo angekommen, folgt die nächste Überraschung: Die Zufahrt zum Tunnel ist gesperrt. Kein Durchkommen. Kein Weiterfahren. Keine Alternative.
Also bleibt nur eines: umdrehen, zurück nach Quinto (7 km), und sich dort wieder brav in denselben Stau stellen, aus dem man gerade entkommen wollte.
Spätestens hier wird klar: Das ist keine Verkehrsführung. Das ist eine Sackgasse mit Ansage.
Und als wäre das nicht genug, erscheint in Airolo auch die nächste Information, aber viel zu spät:
Der Pass ist gesperrt. Winter. Selbstverständlich (obwohl wenig Schnee zu sehen war).
Nur: Diese Information hätte man auch 20 oder 30 Kilometer früher anzeigen können. Tut man aber nicht.
Wer also nach Airolo fährt, tut das in dem Glauben, es gäbe Optionen. Tatsächlich gibt es keine.
Man lässt die Autofahrer bewusst in eine Situation hineinfahren, aus der es kein Vorwärts mehr gibt, nur noch den Rückweg in den Stau.
Der Tunnel als Beweisstück
Hat man es endlich in den Tunnel geschafft, passiert etwas Erstaunliches: Fast nichts.
Kaum Fahrzeuge vor einem. Kaum Fahrzeuge hinter einem. Kein dichter Verkehr, kein Kollaps, kein «Nadelöhr», das diese Staus rechtfertigen würde.
Und nach dem Tunnel? Freie Fahrt.
Nahezu allein bis Altdorf.
Positiv könnte man anmerken: Der obligatorische Stop-and-Go-Verkehr (wegen Kreisel und Trödelei) auf der Axenstrasse bleibt einem damit immerhin erspart. Aber fast 2 Stunden vor dem Tunnel macht man damit nicht gut!
Die Frage drängt sich auf:
Weshalb wird der Verkehr schon vor Faido komplett gestoppt, wenn der Tunnel offensichtlich Kapazität hat?
Die ehrliche Antwort lautet: weil man es so will.
Lenkung durch Zermürbung
Der Staat sagt nicht: «Du darfst nicht fahren.»
Er sagt: «Fahr ruhig. Aber rechne mit Stillstand, Irrwegen und Zeitverlust.»
Das ist Lenkung durch Zermürbung.
Kein Verbot. Keine Abstimmung. Keine offene Debatte. Stattdessen Frust, Ermüdung, Aggression und irgendwann der gewünschte Effekt: Man überlegt es sich beim nächsten Mal.
Die perfekte Schuldzuweisung
Offiziell sind natürlich immer die anderen schuld:
- der Transitverkehr
- die Ferien
- das Wetter
- und ganz besonders: die Ausländer
Vor allem die Deutschen.
Sie sind praktisch: immer verfügbar, zahlen hier keine Steuern, keine Tunnelgebühr, wählen nicht und eignen sich hervorragend als Blitzableiter.
Dass es auch Schweizer mit Chalet im Tessin gibt, die jedes Wochenende durch den Gotthard fahren, passt weniger gut ins Narrativ. Also kommen sie darin nicht vor.
Absichtliche Schikane
Was hier passiert, ist keine Panne. Es ist absichtliche Schikane, um:
- das Autofahren unattraktiv zu machen
- den Individualverkehr zu disziplinieren
- politische Ziele durchzusetzen, ohne sie offen auszusprechen
Wer stundenlang im Stau steht, stellt keine Grundsatzfragen mehr. Er ist müde. Genau das ist der Punkt.
Noch eine Frage, die man nicht stellen soll
Ist das alles wirklich nur Verkehrspolitik?
Oder ist es auch eine Retourkutsche? Eine stille, kleine Vergeltung für andere Konflikte, etwa für den seit Jahren schwelenden Luftraumstreit mit Deutschland, der regelmässig zu Verspätungen und Umleitungen am Flughafen Kloten führt?
Beweisen lässt sich das nicht.
Aber eines ist sicher: Zufall ist das hier keiner mehr.
Klimamoral im Leerlauf
Während man stundenlang Fahrzeuge im Standgas parkt, werden täglich zig Tonnen CO₂ und Feinstaub produziert, nur zwischen Faido und Tunnelportal.
Das ist die ökologische Bilanz der sogenannten Verkehrslenkung.
Oder anders gesagt:
Wer Stau als Politik betreibt, sollte bei CO₂ besser schweigen.
Fazit
Der Gotthard-Stau ist kein Naturereignis. Kein Unfall. Kein unvermeidliches Übel.
Er ist politisch gemacht.
Und genau deshalb ist der Titel dieses Artikels keine Polemik, sondern eine nüchterne Beschreibung der Realität:
«Der Klimawandel ist angeblich menschengemacht, die Staus vor dem Gotthard sind es ganz sicher.»
Die letzte, unbequeme Frage
Und noch eine, die man lieber nicht stellt
Warum machen Herr und Frau Schweizer das seit Jahren schweigend mit?
Man rollt an die überfüllte Autobahnraststätte Bellinzona Süd, kauft sich Sandwiches und Dosengetränke, entleert noch schnell die Blase und begibt sich danach wieder pflichtbewusst in den offenbar gottgegebenen Stillstand.
Kein Aufschrei. Keine politische Debatte. Kein Einfordern von Transparenz.
Stattdessen kollektives Schulterzucken: «Es ist halt so.»
Doch genau hier liegt das eigentliche Problem. Nicht im Tunnel. Nicht im Verkehr. Sondern in der Gewöhnung.
Wer Schikane jahrelang hinnimmt, bekommt sie irgendwann als Normalzustand serviert.
Und so steht man am Gotthard nicht nur im Stau.
Man steht exemplarisch für eine Gesellschaft, die gelernt hat, Stillstand zu akzeptieren, solange er gut organisiert ist.
Die ökologische Rechnung, die niemand sehen will
Wenn schon niemand erklären will, warum die Blockabfertigung an diesem Freitag (und vielen anderen Tagen) anlasslos stattfand, dann darf man zumindest eine andere Frage stellen:
Wer übernimmt die Verantwortung für die Umweltbelastung dieses politisch produzierten Stillstands?
Zehn Kilometer Stau über Stunden bedeuten nicht «weniger Verkehr», sondern mehr Emissionen. Tausende Fahrzeuge im Leerlauf oder im Stop-and-go-Betrieb produzieren täglich zig Tonnen CO₂, allein zwischen Faido und Tunnelportal. Dazu kommen Feinstaub, Stickoxide und Reifenabrieb, konzentriert auf einen engen Alpenkorridor.
Das ist keine Nebenwirkung. Das ist die direkte Folge einer bewussten Verkehrsverknappung.
Oder anders gefragt:
Wie viele Tonnen CO₂ gelten als akzeptabel, um Autofahrer zu erziehen?
Solange diese Frage unbeantwortet bleibt, sollte man mit moralischen Belehrungen über Klimaschutz vorsichtig sein.
Denn wer Stau als Politik betreibt, betreibt Umweltbelastung mit Ansage.










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