Wenn Aufklärung von aussen kommen muss
Liebe Leserin, lieber Leser Man sagt uns, die Corona-Zeit sei vorbei. Für manche vielleicht. Für viele Ärzte, Wissenschaftler und kritische Bürger jedoch begann der eigentliche Ausnahmezustand erst danach. Während Politik und grosse Medienhäuser zur Tagesordnung übergingen und mancher Entscheidungsträger seine Karriere ungestört fortsetzt oder sogar noch befördert wurde (z.B. nach Strassburg), tragen zahlreiche Betroffene die Folgen ihrer damaligen Haltung bis heute: Berufsverbote, Verfahren, zerstörte Existenzen, gesellschaftliche Ausgrenzung und tiefe persönliche Narben. Aufarbeitung? In Europa bislang eher ein Fremdwort. Und in der Schweiz wirkt es bisweilen, als sei institutioneller Selbstschutz deutlich besser organisiert als unabhängige Untersuchung. In unseren jüngsten Gesprächen haben Prof. Dr. Stefan Hockertz und ich darüber gesprochen, weshalb immer mehr Menschen das Vertrauen verloren haben, dass eine wirklich unabhängige Untersuchung innerhalb der bestehenden politischen und institutionellen Strukturen stattfinden wird. Denn die Fragen sind geblieben. Wer traf Entscheidungen auf welcher Grundlage? Wer profitierte? Wer kontrollierte wen? Und weshalb standen kritische Stimmen plötzlich unter Generalverdacht, während Fehlprognosen, Interessenkonflikte und fragwürdige Massnahmen bis heute kaum Konsequenzen nach sich zogen? Unsere Interviews dazu: - AUF1 TV
- HOCH2 TV
- Schweizerzeit TV
Je länger ernsthafte Aufarbeitung ausbleibt, desto häufiger richtet sich der Blick vieler Betroffener ins Ausland, insbesondere in die USA. Nicht aus politischer Schwärmerei und nicht in Erwartung von Wundern, sondern weil die Bereitschaft zur Selbstprüfung im eigenen System vielerorts erschreckend begrenzt erscheint. Und vielleicht auch, weil internationale Aufmerksamkeit in der Schweiz gelegentlich mehr Gehör findet als jahrelange Kritik aus den eigenen Reihen. Der Austausch mit dem Umfeld von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. lenkt zusätzliche Aufmerksamkeit auf Fälle, die im deutschsprachigen Raum bislang kaum Gehör fanden. Für viele Betroffene ist dies ein Signal, dass Schweigen und Wegschauen keine Dauerlösung sein müssen. Mit der Plattform Ärzte mit Gewissen dokumentieren wir die Erfahrungen jener Ärzte, Wissenschaftler und Fachpersonen, die nach eigener Darstellung aufgrund ihrer Kritik an Corona-Massnahmen oder mRNA-Impfstoffen unter Druck geraten sind. Ihre Berichte erzählen keine Heldensaga. Sie erzählen von Menschen, die ihrem Gewissen, ihrer fachlichen Überzeugung und ihrem beruflichen Ethos treu blieben und dafür nicht selten einen hohen Preis bezahlten. Denn hier beginnt das grundsätzliche Problem. Ein Rechtsstaat verliert seine Glaubwürdigkeit meist nicht mit Pauken und Trompeten. Eher schleichend, wenn kritische Fragen unerwünscht wirken, institutioneller Selbstschutz plötzlich erstaunlich belastbar wird und die Grenzen zwischen Kontrolle, Loyalität und gegenseitiger Rücksichtnahme zunehmend verschwimmen. Das oft zitierte «Söihäfeli-Söideckeli» galt lange als treffende Beschreibung für Filz und Mauscheleien. Für viele wirkt es heute zunehmend wie eine Zustandsbeschreibung der Schweiz. Deshalb werden wir nicht schweigen. Wir werden Fragen stellen, Fälle dokumentieren, Betroffene vernetzen. Und Verbündete dort suchen, wo der Wille zur Aufklärung noch stärker ist als politische Opportunität.
Viele Menschen erwarten heute keine PR-Sätze und keine nachträglichen Beruhigungspillen mehr. Sie erwarten Transparenz und unabhängige Untersuchungen. Und die konsequente Anwendung rechtsstaatlicher Grundsätze, ohne Sonderbehandlung für Amtsträger, Expertenzirkel oder institutionelle Schwergewichte. Denn wo Macht missbraucht, Informationen zurückgehalten oder Grundrechte verletzt wurden, darf Aufarbeitung nicht zur freiwilligen Gefälligkeit werden. Zu lange standen kritische Ärzte, Wissenschaftler und Bürger unter Rechtfertigungsdruck. Am Ende bleibt erneut unsere Frage: Wann beginnt endlich die ernsthafte Untersuchung jener Entscheidungen, die Millionen Menschen betroffen haben? Schweigen ist keine Aufarbeitung und Aussitzen keine Antwort. Denn Hinweise, Widersprüche und offene Punkte liegen seit Jahren auf dem Tisch. Was fehlt, ist weniger das Material als die Bereitschaft, genauer hinzusehen. An fehlenden Hinweisen kann es jedenfalls nicht liegen. Der Schweizerische Verein WIR wird auch weiterhin Material zusammentragen und zugänglich machen. Man kann Wahrheit lange ignorieren, verschwinden lässt sie sich dadurch noch lange nicht.
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