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Warum hinterfragt der freiheitsliebende Schweizer jede internationale Institution, aber kaum das Geldsystem?

20.Mai. 2026 | 0 comments

Warum hinterfragt der freiheitsliebende Schweizer jede internationale Institution, aber kaum das Geldsystem?

Die letzte sakrale Institution der Eidgenossen

Vor einigen Wochen haben wir an dieser Stelle über die Vollgeld-Abstimmung von 2018 geschrieben und die Frage gestellt, ob die Schweiz damals möglicherweise eine der zentralsten Debatten unserer Zeit verschlafen hat. Die Reaktionen darauf waren bemerkenswert. Viele Leser spürten intuitiv, dass es beim Geldsystem um weit mehr geht als um technische Fragen der Bankenregulierung oder um trockene Nationalbankpolitik. Gleichzeitig zeigte sich aber auch etwas anderes. Sobald die Diskussion konkret auf die Schweizerische Nationalbank und den Franken gelenkt wird, entsteht eine eigentümliche Zurückhaltung.

Der Schweizer hinterfragt heute fast jede internationale Institution. Die WHO wird kritisch betrachtet, die EU ohnehin. Bei der UNO wächst das Misstrauen ebenfalls. Selbst gegenüber globalen Konzernen, NGOs oder internationalen Gerichten ist eine zunehmende Skepsis spürbar. Doch ausgerechnet beim Geldsystem endet diese kritische Distanz oft abrupt. Der Franken gilt vielen Schweizern noch immer als etwas beinahe Sakrales. Er ist vermeintlich stabil, vernünftig, neutral. Technokratisch sauber verwaltet. Fast wie eine letzte unangetastete Vertrauensinsel in einer zunehmend chaotischen Welt.

Vielleicht ist die Schweizerische Nationalbank tatsächlich die letzte sakrale Institution der Eidgenossen.

Genau an diesem Punkt werden die Überlegungen des deutschen Ökonomen Thorsten Polleit sowie die kulturphilosophischen Analysen von Philipp Bagus interessant. Beide gehören zum Umfeld der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und haben kürzlich gemeinsam mit anderen Autoren das Buch «Zurück zu Wohlstand für alle» veröffentlicht. Darin beschreiben sie den gegenwärtigen westlichen Staat nicht einfach als Verwaltungsapparat, sondern als ein System kultureller und ökonomischer Macht.

Herrschaft durch Zustimmung

Bagus argumentiert, dass moderne Herrschaft heute weniger durch offenen Zwang funktioniert als durch kulturelle Deutungshoheit. Menschen akzeptieren politische Strukturen nicht primär deshalb, weil sie dazu gezwungen werden, sondern weil sie diese als moralisch richtig, alternativlos oder natürlich empfinden. Medien, Bildung, Sprache, Narrative und Institutionen prägen dabei das Weltbild der Bevölkerung. Genau dadurch entsteht Zustimmung.

Dieser Gedanke ist für die Schweiz hochinteressant. Denn kaum ein Land definiert sich so stark über Vertrauen in seine Institutionen wie die Eidgenossenschaft. Das Vertrauen in den Franken ist dabei nicht nur wirtschaftlicher Natur. Es ist emotional, kulturell und identitätsstiftend aufgeladen. Der Franken symbolisiert für viele Schweizer Stabilität, Souveränität, Neutralität und Abgrenzung gegenüber den Exzessen anderer Staaten.

Und hier liegt vielleicht der eigentliche blinde Fleck der Schweiz. Der Franken geniesst ein Vertrauen, das weit über ökonomische Vernunft hinausgeht. Viele Menschen setzen Stabilität mit Sicherheit gleich und Sicherheit wiederum mit Freiheit. Gleichzeitig beschäftigen sich jedoch nur die wenigsten damit, wie unser Geldsystem überhaupt funktioniert und welche Machtstrukturen dahinterstehen.

Der Franken als kultureller Mythos

Thorsten Polleit setzt genau an diesem Punkt an. Seine zentrale These lautet, dass moderne Zentralbankgeldsysteme keineswegs neutrale technische Konstruktionen sind, sondern politische Machtinstrumente. Fiat-Geld erlaubt es Staaten und Finanzsystemen, Schulden auszuweiten, Vermögensblasen zu erzeugen, Märkte zu verzerren und politische Projekte zu finanzieren, die ohne permanente Geldschöpfung kaum möglich wären. Polleit geht noch weiter. Er vertritt die These, dass die chronische Inflation moderner Gesellschaften überhaupt erst durch das Fiat-Geldsystem der Zentralbanken möglich wird.

Die Notenbanken sorgen demnach nicht für Preisstabilität, wie uns seit Jahrzehnten erklärt wird. Vielmehr erzeugen sie selbst jene Inflation, die sie anschliessend angeblich bekämpfen müssen.

Diese Analyse wirkt auf viele Schweizer vermutlich zunächst fremd, weil man instinktiv sofort an Länder wie Deutschland, Frankreich oder die USA denkt. Dort erscheinen Staatsverschuldung, Inflation und monetäre Exzesse offensichtlich. Die Schweiz hingegen gilt als Gegenmodell. Doch eben dieser Reflex könnte Teil des Problems sein.

Denn auch der Schweizer Franken ist heute vollständig Fiat-Geld. Auch die Schweizerische Nationalbank operiert innerhalb desselben globalen Zentralbanksystems. Auch hier entsteht der überwiegende Teil des Geldes über Kreditvergabe. Auch hier haben wir gigantische Bilanzausweitungen erlebt. Auch hier wurden Negativzinsen akzeptiert, die vor wenigen Jahren noch als ökonomische Absurdität gegolten hätten. Die Unterschiede sind graduell, nicht grundsätzlich.

Viele Schweizer betrachten die Nationalbank noch immer wie eine Art neutrale Hüterin monetärer Ordnung. Doch bei genauerem Hinsehen hat sich die SNB längst zu einem der mächtigsten wirtschaftspolitischen Akteure des Landes entwickelt. Ihre Bilanzsumme ist explodiert, sie beeinflusst Immobilienmärkte, Vermögenspreise, Wechselkurse und Kapitalströme. Gleichzeitig operiert sie weitgehend abgeschirmt von direkter demokratischer Kontrolle.

Die unsichtbare Macht

Natürlich bedeutet das nicht, dass die Schweiz unmittelbar vor einem monetären Kollaps steht. Genau diese plumpen Untergangserzählungen helfen niemandem weiter. Interessanter ist vielmehr die strukturelle Ebene.

Der moderne Schweizer misstraut supranationalen Machtstrukturen oft reflexartig. Gleichzeitig akzeptiert er ein hochkomplexes Geldsystem, dessen grundlegende Mechanismen die meisten Menschen kaum verstehen und dessen Machtkonzentration enorm ist.

Das ist ein bemerkenswerter Widerspruch.

Bagus beschreibt diesen Mechanismus als kulturelle Macht. Wirklich stabile Macht entsteht dort, wo Menschen eine Ordnung nicht mehr als menschengemachtes Machtkonstrukt wahrnehmen, sondern als etwas Selbstverständliches und Alternativloses. Genau das scheint beim heutigen Geldsystem der Fall zu sein.

Der Schweizer hinterfragt die WHO, weil sie sichtbar politisch auftritt. Er hinterfragt Brüssel, weil dort offene Machtpolitik betrieben wird. Doch die Geldordnung erscheint vielen technisch, neutral und wissenschaftlich. Dadurch bleibt sie ausserhalb des öffentlichen Bewusstseins.

Dabei berührt kaum etwas unsere Freiheit stärker als das Geldsystem.

Wer Geld schöpft, beeinflusst nicht nur Wirtschaftswachstum oder Inflation. Er beeinflusst Eigentumsverhältnisse, Vermögensverteilung, politische Handlungsspielräume und langfristig auch gesellschaftliche Machtstrukturen. Genau deshalb war die Vollgeld-Abstimmung von 2018 weit mehr als eine technische Bankenfrage. Es ging letztlich um die Frage, wer die Kontrolle über die monetäre Grundlage unserer Gesellschaft besitzt.

Damals wurde diese Debatte jedoch weitgehend technokratisch geführt. Die meisten Menschen verstanden weder die Tragweite noch die strukturellen Zusammenhänge. Gleichzeitig genossen Bundesrat, Nationalbank und Banken ein enormes institutionelles Vertrauen. In einem solchen Klima entscheidet sich ein Land fast immer für Stabilität statt für fundamentale Veränderungen.

Vom Bargeld zur Programmierung

Heute ist die Ausgangslage eine andere. Die letzten Jahre haben vielen Menschen gezeigt, wie schnell wirtschaftliche und politische Macht gebündelt werden kann. Kontosperrungen, Debanking, Sanktionen und digitale Kontrollmechanismen haben sichtbar gemacht, dass Geld eben nicht nur neutrales Tauschmittel ist, sondern immer auch Machtinstrument.

Mit digitalen Zentralbankwährungen könnte sich diese Entwicklung noch erheblich verstärken. Auch die Schweiz prüft längst entsprechende Modelle. Ein digitaler Franken wäre nicht einfach nur moderner oder effizienter. Er würde grundsätzlich neue Möglichkeiten eröffnen. Geld könnte programmierbar werden und Zugänge könnten gesteuert werden. Nutzungsbedingungen könnten technisch implementiert werden.

Noch sind viele dieser Szenarien theoretisch. Doch genau deshalb wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, die Debatte nüchtern und offen zu führen. Nicht hysterisch, aber auch nicht naiv.

Polleit fordert deshalb langfristig nichts weniger als einen freien Markt für Geld. Kein staatliches Geldmonopol mehr, keine zentrale Geldplanstelle, keine privilegierten Notenbanken mit dem exklusiven Recht zur Geldschöpfung. Geld soll sich wieder im Wettbewerb entwickeln können, ähnlich wie andere Güter und Dienstleistungen auch.

Für viele Menschen klingt das zunächst wie eine exotische libertäre Fantasie. Tatsächlich war jedoch über weite Teile der Menschheitsgeschichte nicht der staatlich monopolistische Papierfranken der Normalfall, sondern Geld mit realer materieller Grundlage. Gold und Silber wurden nicht deshalb verwendet, weil irgendein Parlament dies beschlossen hätte, sondern weil Menschen diesen Gütern vertrauten und sie sich im freien Austausch bewährten.

Auch Banknoten waren ursprünglich nichts anderes als Quittungen auf hinterlegte Edelmetalle. Erst schrittweise löste sich das moderne Geld von jeder realen Deckung. Spätestens seit dem Ende des Goldstandards in den frühen 1970er Jahren basiert das heutige Geldsystem fast vollständig auf Vertrauen, Schulden und permanenter Ausweitung der Geldmenge.

Polleit argumentiert deshalb, dass wir das heutige Zentralbankmodell oft fälschlicherweise als naturgegeben betrachten, obwohl es historisch gesehen eher eine relativ junge Konstruktion ist. Der Gedanke, dass Geld auch ausserhalb staatlicher Monopole entstehen und funktionieren könnte, ist also keineswegs neu oder utopisch. Neu ist vielmehr der Glaube, eine kleine Gruppe von Zentralbankern könne den Preis des Geldes für ganze Volkswirtschaften dauerhaft besser steuern als freie Märkte.

Konkret würde das bedeuten, dass der Staat den Bürgern nicht mehr vorschreibt, welches Geld sie verwenden müssen. Menschen und Unternehmen könnten frei entscheiden, welche Geldformen sie im Alltag akzeptieren möchten. Das könnten weiterhin Franken sein, aber ebenso goldgedeckte Zahlungsmittel, private digitale Währungen oder andere stabile Tauschmittel.

Banken müssten sich in einem solchen System das Vertrauen ihrer Kunden wieder tatsächlich verdienen. Wer zu viele ungedeckte Kredite vergibt oder leichtfertig Geld schöpft, würde schneller an Glaubwürdigkeit verlieren. Gleichzeitig könnten sich solidere und stabilere Geldformen im Wettbewerb durchsetzen.

Die Idee dahinter ist letztlich erstaunlich simpel. In fast allen Bereichen unseres Lebens vertrauen wir auf Wettbewerb, Dezentralisierung und Wahlfreiheit. Niemand würde ernsthaft verlangen, dass der Staat nur noch einen einzigen Computerhersteller, einen einzigen Detailhändler oder eine einzige Zeitung zulässt. Ausgerechnet beim Geld akzeptieren wir jedoch ein System, in dem eine zentrale Institution den Preis des Geldes, die Geldmenge und damit indirekt grosse Teile der Wirtschaft steuert.

Genau diesen Widerspruch versuchen Ökonomen wie Polleit sichtbar zu machen.

Für die Schweiz wäre bereits ein deutlich kleinerer Schritt von enormer Bedeutung. Eine offene Debatte darüber, wie viel Macht eine Nationalbank in einer direkten Demokratie überhaupt besitzen sollte, wäre schon ein Anfang. Ebenso die Frage, weshalb ein Land, das bei fast jedem politischen Thema auf Föderalismus, Wettbewerb und Dezentralisierung setzt, ausgerechnet beim Geldsystem ein nahezu sakrosanktes Zentralbankmonopol akzeptiert.

Gerade in der Schweiz gäbe es eigentlich beste Voraussetzungen für eine ernsthafte Diskussion über alternatives Geld, Wettbewerb der Währungen oder eine stärkere Rückbindung des Geldsystems an reale Werte. Doch stattdessen wird der Franken oft behandelt wie eine Naturkonstante, nicht wie ein menschengemachtes System mit politischen und gesellschaftlichen Folgen.

Vielleicht täte es der Schweiz gut, sich wieder einmal ernsthaft mit der grundlegendsten aller ökonomischen Fragen auseinanderzusetzen: Was ist Geld eigentlich und wer sollte darüber bestimmen?

Die nächste Machtfrage droht

Denn die Debatte wird nicht theoretischer, sondern konkreter. Mit digitalen Zentralbankwährungen (CDBCs), programmierbaren Zahlungsmitteln und Diskussionen rund um den digitalen Franken steht bereits die nächste Evolutionsstufe staatlicher Geldkontrolle im Raum. Was heute noch technokratisch und harmlos klingt, könnte morgen darüber entscheiden, wie anonym, frei oder kontrollierbar wirtschaftliches Leben künftig überhaupt noch sein wird. Schon vor diesem Hintergrund wäre es fahrlässig, die Machtfrage hinter dem Geldsystem weiterhin wie ein Tabuthema zu behandeln.

Wer sich vertieft mit diesen Gedanken beschäftigen möchte, sollte tatsächlich einmal seine Nase in das kostenlos verfügbare Büchlein «Zurück zu Wohlstand für alle» stecken. Man muss nicht jede Schlussfolgerung teilen, um zu erkennen, dass dort Fragen gestellt werden, die in der öffentlichen Debatte erstaunlich selten vorkommen.

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