Bankhaus Edmond de Rothschild
und der 25-Millionen-Deal aus Genf mit Jeffrey Epstein
Genf gilt als Synonym für Diskretion, Stabilität und gepflegte Zurückhaltung. Doch gerade dort, wo besonders wenig gesprochen wird, lohnt sich manchmal ein genauerer Blick.
Warum übersetzen wir diesen Bericht von Sayer Ji (veröffentlicht am 19.2.2026)? Weil Edmond de Rothschild seinen Sitz in Genf hat und man hierzulande erstaunlich wenig über dieses traditionsreiche Bankhaus liest oder hört. Was eigentlich schade ist. Gerade wenn es um internationale Vergleiche mit dem US-Justizministerium in zweistelliger Millionenhöhe geht, dürfte öffentliches Interesse nicht ganz abwegig sein. Noch bemerkenswerter ist, dass selbst nach dem plötzlichen Tod von Benjamin de Rothschild im Jahr 2021, Mehrheitsaktionär und Ehemann von Ariane de Rothschild, kaum vertiefte Berichterstattung über die Rolle des Hauses im globalen Kontext stattfand.
Transparenz scheint in gewissen Kreisen eine diskrete Tugend zu sein. Umso sinnvoller ist es, zentrale Dokumente zugänglich zu machen, damit sich jeder ein eigenes Bild davon machen kann, wie Jeffrey Epstein im Umfeld eines Genfer Bankhauses operierte.
Epsteins 25-Millionen-Dollar-E-Mail
Kathy Ruemmler, Ariane de Rothschild und der Vergleich des US-Justizministeriums mit Edmond de Rothschild. Eine Dokument-für-Dokument-Analyse der bundesgerichtlichen Beweisunterlagen
Über diesen Bericht
Dieser Bericht basiert auf Beweisstücken, die in bundesgerichtlichen Verfahren vorgelegt und mit EFTA-Produktionsnummern gekennzeichnet wurden. Zitierte Passagen geben die Aussagen der Beteiligten so wieder, wie sie in den angeführten Beweisstücken erscheinen. Die Analyse beschränkt sich auf den Inhalt der dokumentierten Unterlagen und erhebt keinen Anspruch darauf, Feststellungen zu Tatsachen, Recht oder Fehlverhalten zu treffen. Keine der in diesem Bericht genannten Parteien wurde um eine Stellungnahme gebeten.
In bundesgerichtlichen Verfahren vorgelegte E-Mails zeigen, dass Jeffrey Epstein 25 Millionen Dollar dafür erhielt, im Namen der Edmond de Rothschild Bank einen Vergleich mit dem US-Justizministerium auszuhandeln, dass er die ehemalige White-House-Counsel Kathy Ruemmler für dieses Mandat rekrutierte und dass die Beziehung zwischen allen drei Parteien noch Jahre nach Abschluss der Vereinbarung fortbestand. Am 13. Februar 2026 bestätigte Goldman Sachs den Abgang Ruemmlers als General Counsel der Bank im Zuge der Folgen dieser Enthüllungen. Die Berichterstattung, die zu ihrem Ausscheiden führte, konzentrierte sich jedoch auf die persönliche Beziehung. Der 25-Millionen-Dollar-Deal im Zentrum der Angelegenheit erhielt hingegen kaum oder gar keine Aufmerksamkeit in den grossen Medienhäusern.
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Der Deal
In der Nacht vom 10. Dezember 2015 sandte Jeffrey Epstein eine E-Mail an Ariane de Rothschild, die Verwaltungsratspräsidentin der Edmond de Rothschild Group, einer der ältesten Privatbankendynastien Europas. Die Betreffzeile war leer. Die Nachricht nicht.
«i think you will find that 45.5 penalty legal ( kathy plus pillsbury around 10. me 25 ) all less than 80 pretty good.» (EFTA00669908)
Ich denke, du wirst feststellen, dass die 45,5 als Strafzahlung rechtlich in Ordnung sind, Kathy plus Pillsbury rund 10, ich 25, alles zusammen unter 80, ziemlich gut.
Die E-Mail stand nicht isoliert für sich. Zwei Monate zuvor, am 5. Oktober 2015, hatte Epsteins Unternehmen Southern Trust Company, Inc. eine formelle Vereinbarung, einen Letter of Agreement, mit Ariane de Rothschild und Edmond de Rothschild Holding, S.A. unterzeichnet (EFTA00584904). Der Vertrag sah ausdrücklich ein Honorar von 25 Millionen Dollar an STC «für Arbeiten im Zusammenhang mit ausstehenden Angelegenheiten zwischen Edmond de Rothschild Holding, S.A. und den Vereinigten Staaten» vor, zahlbar innerhalb von drei Tagen, nachdem EDRH die Zahlung an die US-Regierung geleistet hatte. Die E-Mail vom 10. Dezember war somit keine nachträgliche Charakterisierung einer Abmachung durch Epstein, sie war seine Mitteilung über die Umsetzung einer bereits vertraglich festgelegten Vereinbarung.
In einer einzigen Zeile beschrieb Epstein, was er als finanzielle Aufschlüsselung eines Vergleichs mit dem US-Justizministerium darstellte. Die Edmond de Rothschild Bank war wegen der Unterstützung wohlhabender amerikanischer Kunden bei der Steuerhinterziehung untersucht worden, Teil einer umfassenden Kampagne des DOJ, die bereits zu wegweisenden Strafzahlungen gegen Credit Suisse, 2,6 Milliarden Dollar im Jahr 2014, und UBS, 780 Millionen Dollar im Jahr 2009, geführt hatte. Nun war auch der Rothschild-Vergleich abgeschlossen. Die Aufschlüsselung laut Epstein selbst:
- 45,5 Millionen Dollar, Strafzahlung an das Justizministerium
- rund 10 Millionen Dollar, Anwaltskosten für Kathy Ruemmler und die Kanzlei Pillsbury Winthrop Shaw Pittman
- 25 Millionen Dollar an Jeffrey Epstein
- Total: unter 80 Millionen Dollar – was Epstein als «pretty good» bezeichnete
Die oben genannten Zahlen geben Epsteins Darstellung in EFTA00669908 wieder. Das Beweisstück bestätigt weder eigenständig die tatsächliche Zahlungsausführung noch die Verteilungsmechanismen oder eine regulatorische Genehmigung.
Die Antwort von Rothschild folgte Stunden später, um 1.55 Uhr Pariser Zeit:
«Yes, congratulations and a giant thk u !! I m relieved that it s settled and over. Now we can start moving fwd.» («Ja, Glückwunsch und ein riesiges Dankeschön!! Ich bin erleichtert, dass es geregelt und vorbei ist. Jetzt können wir vorwärtsgehen.»)
Und in einer abschliessenden Nachricht:
«Yes … And deep thks for your amazing help.» («Ja … und tiefen Dank für deine grossartige Hilfe.»)
Der Austausch ist in EFTA00669908 dokumentiert, einem im Rahmen bundesgerichtlicher Verfahren aus Epsteins Nachlass vorgelegten Beweisstück. Es ist eine von nahezu zwanzig E-Mails, Flugaufzeichnungen und Terminunterlagen, die für diesen Bericht geprüft wurden und zusammen den gesamten Umfang von Epsteins Rolle als bezahlter Vermittler zwischen der Bankiersfamilie Rothschild und dem Justizministerium der Vereinigten Staaten offenlegen.
Die Rekrutierung
Die Geschichte beginnt im Sommer 2014, als Kathy Ruemmler soeben das Weisse Haus verlassen hatte. Als Counsel von Präsident Obama von 2011 bis 2014 war sie die ranghöchste Juristin, die den Präsidenten der Vereinigten Staaten beriet, zuständig für richterliche Ernennungen, Executive Orders und die rechtliche Gesamtstrategie der Regierung. Medienberichten zufolge stand sie auf der Shortlist für das Amt der Attorney General, nachdem Eric Holder im September 2014 seinen Rücktritt angekündigt hatte.
Am 26. August 2014 sandte Epstein eine E-Mail mit zwei Worten an Ariane de Rothschild:
«kathy ruemmler, maybe.» («Kathy Ruemmler, vielleicht.») (EFTA02588508)
Zwei Wochen später, am 11. September 2014, verschickte Epstein eine gemeinsame E-Mail an Rothschild und Ruemmler:
«now you have each others contact.» («Jetzt habt ihr die Kontaktdaten voneinander.») (EFTA02587869)
Die Einführung war erfolgt. Dann, am 24. Oktober 2014, sandte Epstein Rothschild eine Nachricht, die sich als eine der bedeutendsten im gesamten Dokumentensatz erweisen sollte:
«kathy will decline attny general job today. she will be able to finish your job, estimate 1st quarter 15.» (EFTA02592865)
«Kathy wird heute das Attorney-General-Amt ablehnen. Sie wird deinen Auftrag abschliessen können, voraussichtlich im ersten Quartal 15.»
In einer E-Mail vom 24. Oktober 2014 schrieb Epstein, Ruemmler werde «decline attny general job today» und «finish your job» («wird heute das Attorney-General-Amt ablehnen und deinen Job beenden»). Das Beweisstück gibt seine Aussage wieder, es belegt nicht eigenständig die Gründe für eine allfällige Nominierungsentscheidung. (EFTA00669908)
Die Geschwindigkeit dieser Rekrutierung ist bemerkenswert. Ruemmler verliess das Weisse Haus Mitte 2014. Bereits im August brachte Epstein ihren Namen ins Spiel. Im September stellte er den Kontakt her. Im Oktober teilte er Rothschild mit, Ruemmler werde die Nominierung zur Attorney General ablehnen. Im Dezember 2014 bat Rothschild Epstein, Terminfragen zu Verwaltungsratssitzungen an Ruemmler weiterzuleiten und Epstein traf die Entscheidungen.
Die berufliche Beziehung beschränkte sich nicht auf informelle Koordination. Am 31. Juli 2015 sandte Kathryn Ruemmler, damals Partnerin bei Latham & Watkins LLP, Epstein ein formelles Mandatsschreiben, das seine Beauftragung als Berater im Namen von EDRH bestätigte (EFTA00582812). Das Schreiben, von Epstein unterzeichnet und von EDRH mit «reviewed and agreed» gegengezeichnet, war auf dem Briefpapier von Latham & Watkins verfasst und direkt an Epstein bei der Southern Trust Company in St. Thomas adressiert. Ruemmler schloss mit den Worten: «Thank you very much for agreeing to act as a consultant in this matter.» («Vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, in dieser Angelegenheit als Berater zu fungieren.») Epstein war kein Kontakt, den sie übernommen hatte. Er war jemand, den sie formell mandatierte.
«Hi Jeff», schrieb Rothschild am 5. Dezember 2014, «I was told that Yves and Kathy had agreed to have the board beg of Jan. I have asked to have it the 17th dec and it seems too few people will be there. Either we do it the 13th jan in the morning before my holding strategic board (B will not be there as he leaves the 10th hunting) or I insist on the 17th Dec. Could you pls tell me what Kathy prefers?» («Hi Jeff», schrieb Rothschild am 5. Dezember 2014, «mir wurde gesagt, dass Yves und Kathy vereinbart haben, die Verwaltungsratssitzung Anfang Januar abzuhalten. Ich habe darum gebeten, sie am 17. Dezember durchzuführen, aber es scheint, dass zu wenige Leute anwesend sein werden. Entweder machen wir es am 13. Januar am Morgen vor meinem Holding-Strategie-Board. B wird nicht da sein, da er am 10. auf die Jagd geht oder ich bestehe auf dem 17. Dezember. Kannst du mir bitte sagen, was Kathy bevorzugt?») (EFTA01002935).
Epsteins Antwort: «lets do the 13th, jan. i’ll explain later when you feel better.» («Machen wir den 13. Januar. Ich erkläre es dir später, wenn du dich besser fühlst.») (EFTA01002935)
Die E-Mails zeigen, dass Rothschild Terminangelegenheiten über Epstein kommunizierte.
Die Verhandlung
Im Verlauf des Jahres 2015 zeigen die E-Mails, dass Epstein als zentrale Drehscheibe in den Verhandlungen mit dem DOJ fungierte, nicht als passiver Vermittler, der sein Honorar kassiert und sich zurückgezogen hatte, sondern als aktiver Stratege, der den Prozess steuerte.
Im Mai 2015 berichtete Epstein Rothschild über interne Dynamiken innerhalb der Bank: «yves seemed surprised by the number though he had it under his control for months. he could have discovered whenever he wanted.» («Yves schien von der Zahl überrascht, obwohl er sie seit Monaten unter seiner Kontrolle hatte. Er hätte es jederzeit entdecken können, wenn er gewollt hätte.») Die Nachricht legt nahe, dass Epstein beobachtete, wie leitende Führungskräfte der Rothschild-Bank auf die Feststellungen des DOJ reagierten und dass er die These aufbaute, mindestens einer von ihnen, «Yves», sei fahrlässig oder bewusst unwissend gewesen. (EFTA00686026).
Wenige Tage später, am 4. Juni 2015, schrieb Rothschild an Epstein mit Informationen über einen konkurrierenden Vergleich: «I heard that the cousins paid 11.5mio to the Doj. Did u hear the same?» Mit «the cousins» («Ich habe gehört, dass die Cousins 11,5 Millionen an das DOJ gezahlt haben. Hast du dasselbe gehört?») ist offenbar ein anderer Zweig der Familie Rothschild gemeint, der einen eigenen Vergleich mit dem DOJ erzielt hatte. Rothschild betrieb einen Vergleich und nutzte Epstein als ihre primäre Informationsquelle in DOJ-Angelegenheiten, nicht nur für ihren eigenen Fall, sondern auch im Hinblick auf die verschiedenen rechtlichen Risiken innerhalb der Familie. (EFTA00686026)
Die E-Mails vom Juni 2015 sind besonders aufschlussreich hinsichtlich Epsteins aktiver Rolle. Am 11. Juni 2015 beschrieb Rothschild Yves als körperlich gezeichnet, «really looks bad … as if coming from an intense bar fight. Thank god he doesn’t have to go to see Doj.» («Er sieht wirklich schlimm aus … als käme er aus einer heftigen Kneipenschlägerei. Gott sei Dank muss er nicht zum DOJ.») Epstein schlug umgehend eine Darstellung vor: «we can say it happened as a result of him showing you the statement of facts?» («Wir können sagen, es sei passiert, als er dir die Statement of Facts gezeigt hat?») Er regte an, Yves’ Zustand auf den emotionalen Schock beim Anblick der formellen Feststellungen des DOJ zurückzuführen, also eine Erklärung vorzuschlagen, die entsprechend kommuniziert werden könnte. (EFTA00708380).
Später am selben Tag fragte Rothschild Epstein: «Did Kathy give u our slight chgs – esp numbers?» (EFTA00708380). Sie vergewisserte sich damit, dass Ruemmler inhaltliche Änderungen, insbesondere an Zahlenangaben in einem DOJ-bezogenen Dokument, über Epstein weitergeleitet hatte. Der Ablauf war klar: Rothschild übermittelte Änderungen an Ruemmler; Ruemmler leitete sie an Epstein weiter; Epstein koordinierte und genehmigte. Die Beweisstücke zeigen, dass Epstein an Diskussionen über zahlenmässige Anpassungen in DOJ-bezogenen Unterlagen beteiligt war. Die Aktenlage klärt jedoch nicht, in welcher formellen Funktion er dabei handelte.
Gemeinsame Flüge nach Genf
Am 2. Juli 2015 versandte Epstein per E-Mail eine Passagierliste für einen Charterflug nach Genf, dem Sitz der Edmond de Rothschild Group:
«passenger me, ariane rothschild. kathy ruemmler. princess [redacted].» (EFTA00644548)
Der Flug wurde über Alireza Ittihadieh organisiert, der mit Freestream Aircraft (Bermuda) Limited einen Hawker 800XP zu einem Preis von 11’000 Euro charterte. Zweck der Reise nach Genf war die Besichtigung eines Flugzeugs bei Jet Aviation Maintenance, mit Bereitschaftscrew und Captain William Christophe in Standby-Position. Abflug um 14.30 Uhr, Rückkehr um 19.30 Uhr. (EFTA00644548)
Eine separate E-Mail aus demselben Zeitraum, versandt von Epsteins Piloten Larry Visoski, bestätigt dieselbe Passagierliste für einen Sonntagsflug nach Genf. Epstein antwortete: «me and kathy and [redacted].» (EFTA02498117)
Die Folgen
Der Vergleich beendete die Beziehung nicht. Innerhalb weniger Stunden nach der Bestätigung des Deals am 11. Dezember 2015 wandte sich Epstein bereits einem sieben Punkte umfassenden Aktionsplan für die Zeit nach dem Vergleich zu:
«good luck today . . 1 lets get this closed 2. have kathy meet with david and his people 3. review rockefeller. . 4 hire asset woman, 5. do we use doj and its harsh language to remove benjamin . . 6. begin family plan. susswein, . 7. look for partners , ?»
(«Viel Glück heute …
- Lass uns das abschliessen.
- Kathy soll sich mit David und seinem Team treffen.
- Rockefeller prüfen …
- Asset-Frau einstellen,
- Nutzen wir das DOJ und seine harte Sprache, um Benjamin zu entfernen …
- Familienplan beginnen. Susswein,
- Nach Partnern suchen, ?») (EFTA00669908)
Punkt fünf sticht hervor. Epstein schlug vor, die Sprache des DOJ-Vergleichs, dessen «harsh language» über das Verhalten der Bank, zu nutzen, um jemanden namens «Benjamin» aus einer Position innerhalb der Rothschild-Organisation zu entfernen. Der vorliegende Aktenauszug legt die Identität dieser Person nicht offen. Ariane de Rothschilds Ehemann, Benjamin de Rothschild, hielt bis zu seinem Tod im Jahr 2021 die kontrollierende Beteiligung an der Edmond de Rothschild Group. Ob er der in der E-Mail erwähnte «Benjamin» ist, wird durch das Beweisstück nicht bestätigt. Sollte dem so sein, würde dies bedeuten, dass Epstein der Ehefrau riet, eine amerikanische Durchsetzungsmassnahme als Druckmittel gegen ihren Ehemann in einem internen unternehmerischen Machtkampf einzusetzen.
Die E-Mails aus dem Jahr 2016 und darüber hinaus zeigen, dass die Dreiecksbeziehung ohne erkennbare Unterbrechung fortbestand. Im März 2016 berichtete Epstein Rothschild, Ruemmler kehre in die USA zurück und die «only high priority is to modify communication strategy.» («Die einzige hohe Priorität ist, die Kommunikationsstrategie anzupassen.») (EFTA02467215).
Im Juni 2016 trafen sich alle drei zu einem informellen Abendessen «dress casual its raining hard. see you at 730?» (EFTA02459851) Im Oktober 2016 planten Epstein und Ruemmler eine Reise nach Paris und luden Rothschild ein, sich anzuschliessen. (EFTA02447153) Im Dezember 2016 informierte Epstein Rothschild darüber, dass Ruemmler sich in Zürich aufhalten werde. (EFTA02667727)
Die Beziehung setzte sich bis 2018 fort. Epsteins detaillierter Tageskalender für März 2018, erstellt von seiner Assistentin Lesley Groff, weist zwei Einträge mit Bezug zu Ruemmler auf. Am 4. März 2018: «3:00pm Appt w/Kathy Ruemmler and Arian de Rothschild.» (EFTA00285556) Am 24. März 2018: «2:00pm LUNCH w/Kathy Ruemmler, Miro and Steve Bannon.» (EFTA00285556)
Der Termin vom 4. März wird durch eine separate E-Mail-Korrespondenz bestätigt, in der Groff schrieb: «Ariane wants Kathy to join her and her girls for brunch today…therefore Kathy and Ariane will now both come see you around 3pm now.» («Ariane möchte, dass Kathy heute mit ihr und ihren Mädchen zum Brunch kommt … daher werden Kathy und Ariane nun beide gegen 15 Uhr zu dir kommen.») (EFTA02239107) Die Betreffzeile lautete schlicht: «Kathy and Ariane.»
Die Beziehung erstreckte sich über Ariane de Rothschild hinaus. Eine E-Mail-Korrespondenz vom Dezember 2018 (EFTA02270219) zeigt, wie Epsteins Assistentin Lesley Groff direkt mit der persönlichen Assistentin des Barons und der Baronin Benjamin de Rothschild bei Edmond de Rothschild Holding koordinierte, um einen Hotelaufenthalt in Megève für Epsteins Begleiterin Karyna Shuliak zu organisieren. Epsteins ursprüngliche Nachricht, von Groff weitergeleitet, lautete: «i would like karyna to see your hotel in majeve… I pay of course. just so that she is well looked after.» («Ich möchte, dass Karyna sich euer Hotel in Megève anschaut … Ich zahle natürlich. Nur damit gut für sie gesorgt ist.») Der Austausch fand im Dezember 2018 statt, sieben Monate vor Epsteins Verhaftung. Die institutionelle Signatur der Absenderin weist sie als Assistentin sowohl des Barons als auch der Baronin bei EDRH aus und belegt, dass Epstein auf operativer Ebene Kontakt mit dem Haushalt von Benjamin de Rothschild auf Ebene der Holdinggesellschaft hatte. Die frühere Spekulation des Artikels, ob sich «Benjamin» in Epsteins E-Mail nach dem Vergleich auf Benjamin de Rothschild bezog, lässt sich durch dieses Beweisstück nicht klären. Es zeigt jedoch, dass die Beziehung nicht auf Ariane beschränkt war und bis nahezu zum Ende aktiv blieb.
Das Mittagessen vom 24. März ist bemerkenswert aufgrund der Teilnehmer: Ruemmler, die ehemalige White-House-Counsel unter Obama, speiste in Epsteins Residenz in Manhattan gemeinsam mit Steve Bannon, dem früheren Chefstrategen von Präsident Trump. Dieselbe Kalendereintragung zeigt, dass Epsteins Terminplan in den umliegenden Tagen ein Frühstück mit Leon Black, dem Gründer von Apollo Global Management, der gemäss öffentlichen Berichten später einräumte, Epstein 158 Millionen Dollar an Honoraren gezahlt zu haben, ein Telefonat mit Reid Hoffman von LinkedIn, ein Abendessen mit Woody Allen sowie Treffen mit Ehud Barak, dem ehemaligen israelischen Premierminister, umfasste. In diesem Umfeld bewegte sich Epstein, und Ruemmler war Teil davon. (EFTA00285556)
Die Frage, die bleibt
Diese Dokumente werfen mehrere Fragen auf, die bislang öffentlich nicht beantwortet wurden.
Was wusste das DOJ? Das Justizministerium verhandelte einen Vergleich wegen Steuerhinterziehung mit der Edmond de Rothschild Bank. Wussten die DOJ-Verantwortlichen, dass die vorliegenden Kommunikationsunterlagen Epstein als aktiv koordinierend zwischen den Beteiligten darstellen? Wussten sie, dass die ehemalige White-House-Counsel von Epstein für dieses Mandat rekrutiert worden war? Hätte dieses Wissen das Ergebnis oder die Bedingungen des Vergleichs beeinflusst? Die geprüften Beweisstücke geben darauf keine Antwort.
Hielt sich Ruemmler an die Ethikregeln? Ehemalige White-House-Counsels unterliegen nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt bestimmten Einschränkungen in Bezug auf Kontakte mit früheren Behörden. Ruemmler verliess das Weisse Haus Mitte 2014. Im September 2014, wenige Wochen später, wurde sie von Epstein Rothschild vorgestellt. Der zeitliche Ablauf, wann sie im Namen Rothschilds mit DOJ-Verantwortlichen in Kontakt trat und ob eine allfällige Cooling-off-Periode bereits abgelaufen war, wurde öffentlich nicht untersucht.
Konkret zeigt EFTA00582812, dass Ruemmler nicht lediglich neben Epstein arbeitete, sie mandatierte ihn formell als Berater auf Briefpapier von Latham & Watkins im Namen von EDRH, wobei EDRH die Vereinbarung gegenzeichnete. Die ethische Frage beschränkt sich daher nicht auf ihre Kommunikation mit dem DOJ.
Sie betrifft auch, ob eine ehemalige White-House-Counsel bei einer grossen Kanzlei eine Beratungsvereinbarung mit einem verurteilten Sexualstraftäter im Namen einer regulierten Bank hätte formalisieren dürfen.
War Epsteins Rolle rechtmässig? Epstein war kein zugelassener Anwalt. Dennoch zeigen die E-Mails, dass er Verwaltungsratsentscheidungen beeinflusste, DOJ-Unterlagen redigierte, Narrative über Schlüsselfiguren entwarf, Informationen über parallele Vergleiche einholte und Strategien für die Zeit nach dem Vergleich entwickelte, einschliesslich der Nutzung behördlicher Feststellungen für interne unternehmerische Zwecke. Ob dies die Grenze von «Consulting» zur unerlaubten Ausübung der Rechtsberatung überschritt, wurde von den zuständigen Standesbehörden bislang nicht öffentlich thematisiert.
War das Honorar von 25 Millionen Dollar ordnungsgemäss genehmigt? Epsteins Honorar – höher als die zusammengefassten Anwaltskosten für Ruemmler und die Kanzlei Pillsbury Winthrop – wurde Ariane de Rothschild in den E-Mails offengelegt. Ob es auch dem Verwaltungsrat der Edmond de Rothschild Bank, ihren Aktionären oder den Aufsichtsbehörden offengelegt und von diesen genehmigt wurde, ist nicht bekannt. Eine Zahlung von 25 Millionen Dollar an einen verurteilten Sexualstraftäter durch ein reguliertes Finanzinstitut würde gewöhnlich erhebliche Compliance-Prüfungen auslösen.
Der Letter of Agreement (EFTA00584904) zeigt, dass das Honorar nicht informell war, es handelte sich um einen ausgearbeiteten und unterzeichneten Vertrag mit Freistellungsklauseln, Haftungsausschlüssen und Gerichtsstandsvereinbarungen zugunsten der US Virgin Islands. Die Ausgereiftheit dieser Vertragsgestaltung wirft eine weitere Frage auf: Wer hat ihn verfasst?
Was wusste Goldman Sachs? Kathy Ruemmler war von 2020 bis zum 13. Februar 2026 General Counsel von Goldman Sachs, als die Bank ihren Abgang im Zuge der Enthüllungen rund um die Epstein-Dokumente bestätigte. Berichte von Mix Vale und anderen Medien hielten fest, dass die veröffentlichten E-Mails eine persönliche Vertrautheit mit Epstein offenlegten, einschliesslich Kosenamen wie «uncle Jeffrey» und «older brother», Einladungen zu Reisen und Geschenken sowie Ratschläge, die Ruemmler Epstein zur Pflege seines öffentlichen Images gab. (EFTA01020438)
CEO David Solomon verteidigte sie zunächst, gab jedoch unter dem Druck von Partnern und Aktionären nach. Ihr Ausscheiden ist für den 30. Juni 2026 vorgesehen. Die Berichterstattung, die ihre Karriere bei Goldman beendete, konzentrierte sich jedoch nahezu ausschliesslich auf die persönliche Beziehung. Die hier dokumentierte Kerntransaktion, ein Honorar von 25 Millionen Dollar für die Vermittlung eines DOJ-Vergleichs, die Rekrutierung der ehemaligen White-House-Counsel auf seine Initiative hin sowie die Behauptung, sie habe die Nominierung zur Attorney General abgelehnt, um diese Arbeit abzuschliessen, war bislang kein Gegenstand der Berichterstattung in den grossen Medienhäusern. Welche Sorgfaltsprüfung Goldman Sachs bei ihrer Anstellung im Jahr 2020 durchführte und ob der Bank ihre Rolle im Rothschild-Epstein-Mandat bekannt war, bleibt offen.
Was die Dokumente zeigen
In ihrer Gesamtheit zeichnen die für diesen Bericht geprüften Unterlagen, sie reichen von August 2014 bis März 2018 und umfassen E-Mails zwischen den Beteiligten, Flugaufzeichnungen, Passagierlisten sowie Epsteins persönlichen Kalender, das Bild einer Beziehung, die tiefer, länger and operativ bedeutsamer war als eine blosse Einführung oder ein gewöhnliches Beratungsmandat.
Epstein verband Ruemmler nicht lediglich mit Rothschild und kassierte eine Vermittlungsprovision. Er fungierte während des gesamten Mandats als zentrale Koordinationsfigur: Er prüfte und rekrutierte die Anwältin, steuerte die Mandatsbeziehung, lenkte die Strategie, redigierte Dokumente, beschaffte Informationen, formulierte Narrative, traf Terminentscheidungen und plante unternehmerische Schritte nach Abschluss des Vergleichs. Der in EFTA00669908 genannte Betrag von 25 Millionen Dollar übersteigt die in derselben E-Mail genannten rund 10 Millionen Dollar an Anwaltskosten deutlich.
Der dokumentierte Sachverhalt wirft mehrere Tatsachenfragen auf.
Es geht darum, wie ein verurteilter Sexualstraftäter ohne Anwaltslizenz, ohne Lobbying-Registrierung und mit Vorstrafen sich an der Schnittstelle zwischen einer europäischen Bankendynastie und dem amerikanischen Justizsystem positionieren konnte und dafür möglicherweise 25 Millionen Dollar erhielt.
Es geht um ein Umfeld, in dem die ehemalige ranghöchste Juristin des Präsidenten der Vereinigten Staaten von eben diesem Sexualstraftäter rekrutiert wurde, angeblich die Nominierung zur Attorney General ablehnte, um das Mandat zu vollenden, und noch Jahre danach gesellschaftlichen Umgang mit ihm pflegte. Und es stellt sich die Frage, ob das Justizministerium wusste, oder nachfragte, wer auf der Gegenseite die Verhandlungen koordinierte.
Wie Epstein in der Nacht des Vertragsabschlusses an Rothschild schrieb: «all less than 80 pretty good.»
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